• 14. Juli 2017 20:07
  • Sendung vom 15.07.2017, Sendungsüberblick

Was macht die Macht des Wortes aus?


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Ein Gast ist leise. Jedes Bild ist fern.
Ein Tisch ist offen. Jeder Knecht ist frei.
Jeder Turm ist neu und ein Bild ist alt.
Nicht jeder Tisch ist groß oder jedes Dorf ist alt.

Maschinen schreiben Worte
Nein, wie bei Breitband sind nicht unter die Poeten gegangen, die einleitenden Worte dieser Sendung sind aus den „Stochastischen Texten“ von Theo Lutz. Der Informatiker schrieb 1959 ein Programm für den Rechner Zuse Z22, das aus vorgegeben Worte „Gedichte“ verfasste. Kreativ war die Maschine damals nicht, es handelte sich lediglich um ein Zusammenwürfeln von Bausteinen.

Mittlerweile sind wir reif für eine Poesie von Maschinen, meint der US-amerikanische Autor und UbuWeb-Gründer Kenneth Goldsmith. In seinem jetzt auf Deutsch erschienen Buch „Uncreative Writing“ will eine neue Form der „unkreativen“ Literatur starten: Kopieren, Programmieren, Automatisieren sind die neuen literarischen Werkzeuge, ihre Genres heißen Plagiat, Remix, Appropriation.

Bewusstsein für neue Bedingungen
Goldsmiths „Uncreative Writing” macht für die Literatur das, was Walter Benjamins Essay „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit” für die bildende Kunst getan hat. Es schafft ein Bewusstsein für die neuen Bedingungen, unter denen wir Text produzieren und rezipieren und ermutigt einen, die Möglichkeiten, die sich dadurch eröffnen, auszuschöpfen.

Ist das wirklich eine literarische Revolution? Wie sieht diese neue Form der (Un-)Kreativität aus? Was bedeutet Schreiben im digitalen Zeitalter? Worin besteht der “künstlerische Mehrwert”? Fragen, deren Antworten wir nicht kopieren wollten, sondern dem Autor Kenneth Goldsmith gestellt haben. Auch die restliche Kunst wird maschinisiert: Christian Conradi erzählt uns, welche Musik EMI und Magenta entwerfen und was passiert wenn der Predictive Art Bot Künstler zu Arbeitern degradiert. 

Verfertigung von Kunst im digitalen Zeitalter. mp3, 13:40]

#G20 in der Nachspielzeit
Nach dem G20-Gipfel beginnt die Aufarbeitung des Events, die politischen Inhalte der eigentlichen Veranstaltung spielen dabei aber fast keine Rolle. Viel mehr geht es um die Gewalt und Ausschreitungen bei den Demonstrationen in Hamburg.

So rechnet zum Beispiel Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz mit den „schlimmen Randalierern“ ab und ist sich sicher: „Polizeigewalt hat es nicht gegeben„. Trotzdem gibt es mittlerweile 35 Ermittlungsverfahren gegen Beamte und eine von Aktivisten eigens eingerichte Seite, mit der Fälle von Polizeigewalt dokumentiert werden sollen.

Angriff auf die Pressefreiheit?
Auch der Umgang der Polizei mit Medienvertretern ist umstritten. Zum einen gibt es zahlreiche Berichte über Angriffe durch Polizisten auf Pressevertreter. Zum anderen ist insgesamt 32 Journalisten im Nachhinein die Akkreditierung zur Berichterstattung vom G20-Gipfel entzogen worden.

Warum es solche eine „schwarze Liste“ gab und aufgrund welcher Informationen sie überhaupt erstellt wurde, ist noch nicht abschließend geklärt. Der Verein Reporter ohne Grenzen sieht darin eine „unsägliche Stigmatisierung von Journalisten„. Wir haben mit Vorstandssprecher Michael Rediske darüber gesprochen, was dieser Vorgang für die Pressefreiheit in Deutschland bedeutet.

G20: Verletzung der Pressefreiheit?. mp3, 07:59]

Netznews & Bitcoin-Journalismus
Was sonst noch so geschah, weiß Tim Wiese. Er hat uns erklärt, wie der erste Besuch von Journalisten im deutschen Facebook-Löschzentrum ablief; warum Netzbetreiber Kundendaten bei Filesharingverdacht herausgeben dürfen; was Eric Posner von Twitter (dt.) hält und was wir #ohnetwitter – neben Gollums Stimme, die Trumps Tweets vorliest – noch alles nicht erlebt hätten.

Medien & Meinungen. mp3, 05:40]

Zu guter Letzt erklärt uns Bitcoin-Experte Friedemann Brenneis, warum er das Journalismus-Projekt „Civil“ für Quatsch hält und wieso es gerade eine ganze Schwemme von mehr oder weniger sinnvollen Blockchain-Projekten – wie zum Beispiel das Fucktoken – gibt.

Rettet die Blockchain den Journalismus?. mp3, 08:16]

Credits
Untermalt wird das ganze von Netzmusik, die uns Teresa Sickert herausgesucht und zusammengestellt hat. Kundig durch die Sendung führten Vera Linß, die auch für die Redaktion verantwortlich ist und Marcus Richter, der parallel ins Internet schreibt. Ganz alleine und ohne maschinelle Hilfe natürlich. Versprochen!

Bild: Breitband-Fotografie, bearbeitet von deepart.io.