• 9. Juni 2017 22:06
  • Sendung vom 10.06.2017, Sendungsüberblick

Überwachungsstaat vs. Privacy by Design


In der aktuellen Ausgabe von Breitband geht es um Überwachung, die – wenn man es ganz kurz zusammenfasst – politisch gewollt ist, aber auch dafür sorgt, dass sich Firmen mittlerweile um Privatsphärendesign bemühen. Aber der Reihe nach:

Menschenrechte abschaffen
Großbritannien hat gewählt und die konservativen Tories unter der ehemaligen und wahrscheinlich zukünftigen Premierministerin Theresa May haben gewonnen. Zu einer absoluten Mehrheit hat es zwar nicht gereicht, aber eben doch zur Regierungsbildung. Damit ist der Weg frei für weitere Überwachungsgesetze.

Noch als Innenministerin hatte May die sogenannte „Snooper’s Charter“ auf den Weg gebracht, ein Gesetz, dass den Behörden weitreichende Überwachungsrechte einräumt. Nach dem letzten Terroranschlag hatte sie sogar angekündigt, die Menschenrechte einschränken zu wollen.

Wird Großbritannien jetzt endgültig zum Überwachungsstaat, wie er schon in „1984“ oder „V for Vendetta“ vorhergesehen wurde? Wir haben wir mit unserem Kollegen Sandro Schroeder gesprochen.

[Auf dem Weg nach 1984: Die Überwachungspläne der britischen Konservativen. mp3, 06:11]

Unerwartete Verbündete?
Der Kampf gegen staatliche Überwachungsfantasien wurde in der Vergangenheit vor allem von Netzaktivisten, Bürgerrechtlern und Datenschützern vorangetrieben. Eine ihrer Forderungen ging immer auch an die Industrie: Hard- und Software müsse von vornherein so gestaltet sein, dass eine Überwachung nicht möglich sein, die Privatsphäre müsse eingebaut sein.

Und mittlerweile scheinen tatsächlich manche Firmen „Privacy by Design“ als Wettbewerbsvorteil anzusehen, denn immer wieder werden neue Produkte vorgestellt, die zum Beispiel Nutzerverfolgung im Netz unterbinden oder eine sichere Verschlüsselung von Kommunikation anbieten.

Überwachung wegkaufen
Thomas Hoeren ist Professor für Medienrecht an der Universität Münster und wird uns erklären, inwieweit sich die Situation der letzten Jahr geändert hat, welche Rolle die Nutzer dabei spielen und ob technische Produkte tatsächlich Überwachung effektiv verhindern kann.

[Privacy by Design vs. Regierungen und Geheimdienste. mp3, 07:42]

Klar ist, dass es nach wie vor genug Technik gibt, die das ganze Gegenteil von „Privacy by Design“ verwirklicht. Seit ein paar Tagen wird in diesem Zusammenhang von Farblaserdruckern gesprochen, die ungefragt Trackingcodes aufs Papier bringen.

Neuer NSA-Leak
Was war passiert? Es ging mal wieder um russische Hacker: Laut NSA sollen Hacker des Militärgeheimdiensts der russischen Föderation letztes Jahr versucht haben, die US-Wahl zu manipulieren, wie das Onlinemagazin “The Intercept” berichtet, dem ein entsprechender Leak zugespielt wurde.

Wer das NSA-Dokument geleaked haben soll, ist auch schon bekannt: Die 25-jährige Reality Leigh Winner, die als externe Mitarbeiterin Zugriff auf die Daten hatte – sie wurde schon festgenommen, bevor der Artikel beim Intercept veröffentlicht wurde und soll den Leak auch zugegeben haben.

Verräterische Drucker
In Medien und Netz wird seitdem darüber spekuliert, wie das FBI der Leakerin auf die Spur gekommen ist, ein Verdacht fällt auf den Drucker, den Winner benutzt haben könnte. Und wie das funktioniert, erklärt Marcus Richter, der uns sogar eine Schritt-für-Schritt-Anleitung mitgebracht hat.

[NSA-Leaks: Verräterische Drucker und verlierende Gewinner. mp3, 07:35]

Im Anschluß wird uns Tim Wiese mit den Medien & Meinungen der Woche versorgen, in denen es (kein Scherz) um russische Hacker und die Krise in Katar (Konsequenzen für die Meinungsfreiheit) gehen wird. Außerdem wird verraten, warum es vielleicht illegal ist, das Trump auf Twitter andere NutzerInnen blockt und was es mit einem Rückgaberecht für Gratis-Apps auf sich hat.

[Die Medien und Meinungen vom 10.06.2017. mp3, 04:08]

100 Milliarden!
Zwischendurch machen wir noch in Cryptowährung: Alle existierenden Cryptowährungen sind zusammengerechnet erstmals über 100 Milliarden Dollar wert.

Inwieweit diese „Marktkapitalisierung“ echter Reichtum ist und ob Bitcoin immer noch das wichtigste digitale Geld aller Zeiten ist, verrät uns Friedemann Brenneis.

[100 Millarden Dollar Kryptowährungen – Wohin führt der Weg? mp3, 04:14]

Der Abspann
Moderation: Martin Böttcher
Redaktion: Jochen Dreier und Jana Wuttke
Netzmusik [Playlist]: Christian Conradi
Webredaktion: Marcus Richter