• 21. Oktober 2017 12:10
  • Netzmusik, Sendung vom 21.10.2017

Schöner Scheitern

Die Netzmusik vom 21. Oktober 2017


Von Roland Graffé

Logan Daniel aus Illinois schreibt in den Linernotes zu seinem Song “Cradle”, dass er sich einfach mal zwingen musste, dieses Lied zu Ende zu schreiben nach einer längeren Zeit mangelnder Inspiration. Und obwohl Titel und Musik eher ein Schlaflied vermuten lassen, geht es im Text darum, aufzuwachen, aufzustehen und sich auf den Weg zu machen.

„Der ‚Cirque d’Hiver‘ (dt. Winterzirkus) ist der einzig verbliebene von ehemals 18 stationären Pariser Zirkusbauten“, heißt es auf Wikipedia. Nach diesem Bau ist das Stück des britischen Multi-Instrumentalisten Niño Crudo benannt, das dazu passend nostalgische Varietè-Atmosphäre verbreitet – nicht zuletzt, weil als entsprechend traditionsreiches Instrument eine singende Säge zum Einsatz kommt.

„Schöner scheitern“ könnte das Motto von Emily Ward lauten, die als Rebel Without A Coat ihre zwischen Singersongwritertum und Hiphop changierenden Songs veröffentlicht. In „Afraid Of What I want“ etwa berichtet sie wortreich davon, wie sie als Aus-der-Zeit-Gefallene mehr oder weniger bedrückt herumhockt, unter anderem auf einem Stapel unverkaufter CDs ihres ersten Albums, letztendlich aber dennoch unverdrossen weiter an neuen Stücken arbeitet (wie dem vorliegenden).

Beim Projekt Be-Troit trafen Künstler und Künstlerinnen aus den Städten Detroit und Berlin aufeinander. Es gab gemeinsame Workshops und Konzerte, ein Dokumentarfilm entstand und es wurde ein abwechslungsreiches Album mit insgesamt 17 Titeln zusammen aufgenommen. Dass beide Metropolen durchaus ähnliche Probleme kennen, davon zeugt das mehrsprachige Stück „Gentrification“ – in dem auch eine amüsante Gegenutopie zu dieser urbanen Geißel skizziert wird.

Die Enthusiasten der Compilation-Reihe Chiptunes = WIN haben nunmehr die sechste Ausgabe mit bleepiger 8bit-Musik herausgebracht. Daraus spielen wir das beschwingte „Sunset Bridge“ des russischen Konsolen-Virtousen Purely Grey.

Das Urban Dictionary lehrt uns, dass der rund um Philadelphia geläufige Ausdruck „Jawn“ als Füllwort für alles mögliche verwendet wird (etwa so wie „Schlumpf“ bei den Schlümpfen). Josh Lis stammt aus der Gegend und wohl deshalb hat er seinen Elektropop-Stampfer auch „Everything is a Jawn“ genannt, den wir zum Abschlus der Sendung spielen.



Playlist

Logan Daniel – Cradle (CC BY)
Niño Crudo – Cirque d’hiver (CC BY)
Rebel Without A Coat – Afraid Of What I Want (CC BY-SA)
Be-Troit – Gentrification (CC BY-NC-SA)
Purely Grey – Sunset Bridge (CC BY-SA)
Josh Lis – Everything is a Jawn (CC BY)

Bild: ohne Titel von Cindy Tang auf Unsplash

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