• 16. September 2017 12:09
  • Netzmusik, Sendung vom 16.09.2017

Gegen Trump, Gentrifizierung und steife Beine

Die Netzmusik vom 16. September 2017


Der Belgier Oswald Cromheecke produziert Electro-Swing, bei dem man kaum ruhig auf dem Stuhl sitzen bleiben kann. Sein letztes Album heißt Volta und es zeichnet sich wie alle seine anderen, nicht nur durch seinen musikalischen Mix aus altem Swing, Verve und Jazz-Samples und neuen Elektronika-Sounds aus, sondern auch durch wirklich gelungene Cover – kein Wunder, er hat Illustration und Animation studiert. Wir hören „Go Slow“.

Kara Square und Piero Peluche leben 4500 Kilometer voneinaner entfernt. Kara Square ist eine amerikanische Singer- und Songwriterin aus Ohio und Piero Peluche heißt eigentlich Claudio Pagani und lebt in der Toskana. Gefunden haben sie sich über die Creative Commons Remix Plattform CCMixter. Aus ihrer Zusammenarbeit sind mehrer Alben entstanden, die am ehesten mit einer Mischung aus Tex-Mex-Gitarre und Ukulele-Surfer-Style zu beschreiben ist. Der Song „Dinosaur Bones“ ist höchstaktuell, er handelt von den ständigen Ablenkungstrategien von Donald Trump.

Das schöne an Netzmusik ist, dass man immer wieder auf tolle Musik stößt, die aber völlig ohne viel Information veröffentlicht wird. Das ist eine angenehm zurückhaltende Art, in einer Welt der überhöhten Selbstdarstellung. Über das Projekt Bralitz kann man dementsprechend auch nicht viel erzählen – das muss die Musik selbst tun. Der Song „Pearl, Killing for Fun“ tut das glücklicherweise sehr gut.

Die Franzosen In Love With a Ghost waren hier bei der Netzmusik schon öfter Gast. Ihre Musik ist träumerisch, mit weichen Melodien, die dann wieder durch harte Beats und Bässe gebrochen werden. Geisterhaft, oft mit atmosphärischen Sounds durchdrungen – wie hier im Song „I know it’s not easy but you’re not alone anymore“ mit Aufnahmen von Schritten im Schnee – wird eine fantastische Stimmung geschaffen. Immer eine Empfehlung.

Der Londoner Singer und Songwriter Robin Grey hat mit „The Hackney Gentrification Song“ ein Klagelied über sein geliebtes Stadtviertel Hackney geschrieben. All die alten Gebäude, Pubs und Fabriken werden niedergerissen oder umgebaut und durch teure Luxuslofts ersetzt. Eine erschreckende Entwicklung, die nicht nur in London ein Problem ist – selten wurde es aber so schön in einem Protestsong besungen.

Wir schließen die Netzmusik heute wie wir angefangen haben, mit einem swingig-funkigen Stück. Der sich selbst Beatmaker von Hopstuff nennende ProleteR aus Toulouse, hat auf seiner Life Playing Tricks EP sechs die Stimmung aufhellende Songs gesammelt, die ein wenig an seine französischen Kollegen von Daft Punk erinnern. ProleteR spielt gerne mit Einflüssen und Samples aus verschiedensten Kulturen, was den einzelnen Liedern jeweils eine komplett eigenen Stimmung schenkt. Wir verabschieden uns mit „Destiny“.

 

Playlist:

Boogie BelgiqueGo Slow (CC BY-NC)
Kara Square and Piero PelucheDinosaur Bones (CC BY-NC)
BralitzPearl (Killing for Fun) (CC BY-NC-ND)
In Love With A Ghost I know it’s not easy but you’re not alone anymore (CC BY)
Robin GreyThe Hackney Gentrification Song (CC BY-NC-SA)
ProleteRDestiny (CC BY-NC-ND)

Zusammengestellt von Jochen Dreier.

Foto: „contrasting“ von jenny818, CC BY 2.0