• 10. Oktober 2015 14:10
  • Medien und Meinungen, Sendung vom 10.10.2015

Keine Zwänge und neue Formate

DIE MELDUNGEN DER WOCHE VOM 10. Oktober 2015


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Was in der Medienwelt in den letzten Tagen passiert ist, berichtet in dieser Woche Jan Rähm:

Weg für Abschaffung des Routerzwangs wieder frei

Das Bundeswirtschaftsministerium hat die Prüfbitte des Bundesrates in Bezug auf den Gesetzentwurf zur Abschaffung des Routerzwanges zurückgewiesen, berichtete Netzpolitik.org. Dem Gesetzentwurf zufolge soll in Zukunft jeder Internetnutzer unabhängig vom Netzbetreiber entscheiden können, ob er eine FRITZ!Box, einen Asus-Router oder ein Lancome-Gerät nutzt.

Der Bundesrat hatte gefordert, die Pläne zu überprüfen. Er machte sich dabei die Argumente der Gegner des neuen Gesetzes zu eigen. Demnach sollte geprüft werden, ob vom Kunden gekaufte Router nicht die Netze, ganz speziell die Kabelnetze, stören könnten. Im Mobilfunk und bei A- und VDSL ist der eigene Router heute jedoch Usus – warum dann nicht auch im Kabelnetz? Die Störsicherheit ist da eher weniger ein Argument.

Nach der Ablehnung des Prüfantrags durch das Bundeswirtschaftsministerium kann der Gesetzentwurf nun in den kommenden Wochen zur Abstimmung in den Bundestag gehen.

Twitter startet neues News-Format

Hierzulande fast unbemerkt hat der Kurznachrichtendienst Twitter einen neuen Service gestartet: „Twitter Momentslaunchte am Dienstag erst einmal nur in den USA. Twitter-Moments-Produkt-Manager Madhu Muthukumar erklärte im Sender CNN, „Moments“ sei der einfachste Weg, das Beste einer Geschichte mit einem Klick zu finden.

Mit dem neuen Dienst wolle man Twitter einfacher machen und für mehr Übersicht sorgen. Dazu bündelt der neue Dienst Tweets und Medien zu einem Thema. Das könnte zum Beispiel ein Baseball-Spiel sein. Ein Team aus Kuratoren sichtet die verfügbaren Informationen, nimmt die am meisten relevanten sowie besten Tweets und packt sie zusammen in einen „Moment“, plus Bilder und Videos. Das Ganze kann sich der Nutzer dann kompakt gebündelt in einem neuen Bereich der Twitter-App ansehen. Die Inhalte werden natürlich kontinuierlich aktualisiert.

Zu Beginn besteht das Team der Kuratoren überwiegend aus Twitter-Mitarbeitern. Künftig sollen auch Partner „Momente“ zusammenstellen. So heißt es im Twitter-Blog, es würden schon jetzt auch Verbände wie die NHL, also die US-amerikanische Eishockey-Liga, oder die MLB, die Major League Baseball, „Momente“ zuliefern. Die Rede ist auch von der US-Weltraumbehörde NASA und dem Online-Dienst Buzzfeed. Künftig sollen dann noch Medienunternehmen hinzukommen.

Crowdfunding-Erfolg für spanisches Online-Magazin

In Spanien hat mit satten 3,6 Millionen Euro aus einem Crowdfunding die Neugründung des künftigen Medienunternehmens „El Español“ („Der Spanier“ oder „Die Spanierin“) bereits vor dem offiziellen Start aufgetrumpft. Das Geld stammt von rund 5600 Anlegern. Dazu kommen rund 10 000 Unterstützer, die sich bereits ein Abo des Online-Magazins gekauft haben. Sie können alle künftigen Artikel lesen. Nicht-Abonnenten stoßen nach 25 Artikeln an die Paywall.

Hinter „El Español“ steht der in Spanien berühmt-berüchtigte Journalist Pedro Ramírez. Er war nach mehreren investigativen Veröffentlichungen bei der Tageszeitung „El Mundo“ rausgeflogen. Seine Abfindung in Höhe von rund fünf Millionen Euro steckte er in das Projekt und hat damit zusammen mit den Crowdfunding-Einnahmen mehr als acht Millionen Euro zur Verfügung. Das sollte für die ersten 70 Journalisten und 30 weitere Mitarbeiter eine Weile reichen.

Allerdings werde das künftige Online-Nachrichtenmagazin noch ein wenig reifen: „Gott mag in sieben Tagen die Welt geschaffen haben – mit ‚El Español‘ wird es ein bisschen länger dauern“, sagt Pedro Ramírez. Ab kommender Woche geht „El Español“ dann als Online-Äquivalent einer Tageszeitung in den regulären Betrieb.
Spanien ist, was den digitalen Wandel in den Medien angeht, schon ziemlich weit. Ein Beispiel für ein florierendes digitales Magazin ist das 2001 gestartete „El Confidencial“.

Bild: Baseball String Art von fdecomite auf Flickr, CC BY