• 21. Februar 2015 13:02
  • Medien und Meinungen, Sendung vom 21.02.2015

SZ-Leaks, Zweifel an PGP, unsichere SIM-Karten

Die Medien und Meinungen am 21.02.2015


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Ein großes Schlagwort in dieser Woche: Die SZ-Leaks. Tim Wiese gibt eine Zusammenfassung der Enthüllung oder dem, was davon übrig bleibt:

Der ehemalige SZ-Mitarbeiter Sebastian Heiser hat der Zeitung Schleichwerbung vorgeworfen. Anzeigenabteilung und Redaktion würden zu eng zusammenarbeiten. Vor acht Jahren war Heiser bei der Süddeutschen Zeitung beschäftigt. Diese Woche hat er in seinem privaten Blog darüber berichtet, warum er damals seinen Job in der Beilagen-Redaktion gekündigt hat.

Für die Sonderseiten der SZ hätten nicht dieselben journalistischen Standards gegolten wie für das übrige Blatt. Nicht nur bei der Themenwahl, sondern auch bei den Artikeln habe die Anzeigenabteilung mitgesprochen. Ihr Anliegen: Werbekunden nicht verprellen und ein gutes Umfeld für Anzeigen in den Beilagen bieten. So hätten zum Beispiel mit Tipps zur Steuerhinterziehung ausländische Banken gelockt werden sollen.

Das stimme nicht, erwidert die Süddeutsche Zeitung. In einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber Breitband heißt es:

„Wenn sich ein festangestellter oder freier Journalist beim Verfassen seiner Texte für die SZ von Mitarbeiten der Anzeigenabteilung vor acht Jahren hätte beeinflussen lassen, so wäre das ein Verstoß gegen journalistische Grundlagen und redaktionelle Vorgaben gewesen. Und das wäre auch heute so.“

Es gibt auch Kommentatoren im Netz wie Stefan Winterbauer vom Medienportal Meedia, die den Vorwurf der Schleichwerbung für Steuerhinterziehung sehr weit hergeholt finden. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hält sich bei der Bewertung zurück. Grundsätzlich sei die Diskussion sinnvoll, so Pressesprecher Hendrik Zörner.

„Aber darüber muss eben nicht nur am Beispiel der Süddeutschen Zeitung diskutiert werden, sondern eigentlich am Beispiel aller Zeitungen. Es handelt sich bei den Texten auf Sonderseiten meistens um redaktionelle Beiträge, bei denen die Anzeigenabteilung aber meistens ein Wörtchen mitredet. Das ist aber unter journalistischen Gesichtspunkten nicht in Ordnung. Wenn ein Verlag, eine Zeitung diese Seiten aus wirtschaftlichen Interesse trotzdem veröffentlichen möchte, dann müssen diese Seiten gekennzeichnet werden.“

Um seine Vorwürfe zu belegen, hat Sebastian Heiser in seinem Blog Audio-Aufnahmen von Gesprächen mit Kollegen veröffentlicht, die er damals bei der SZ heimlich mitgeschnitten hat. Juristen halten das Vorgehen für fragwürdig. Sebastian Heiser dagegen führt ein Urteil vom Oberlandesgericht München an. Das Gericht hatte 2005 die verdeckte Tonbandaufzeichnung des Journalisten Volker Lilienthal bei einer Recherche für rechtens erklärt. Allerdings hat sich Lilienthal von Heiser distanziert. Bei Twitter schrieb er:

Heiser scheint damit kein Problem zu haben und daraus eine Methode zu machen. Mittlerweile sorgt er nämlich für neue Schlagzeilen: NDR und die Welt berichten, dass Heiser als Maulwurf bei der TAZ über einen Keylogger Daten von Redaktionsrechnern ausgespäht haben soll.

Das gesamte Interview mit dem Pressesprecher des DJV, Hendrik Zörner, gibt es hier:

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Wir haben das Interview am Donnerstag, den 19.02.2015, geführt, bevor die Ereignisse bei der TAZ bekannt wurden.


heise security stellt Verschlüsselung über PGP in Frage

Jürgen Schmidt, Chefredakteur des Portals heise security, schreibt im Editorial der aktuellen c’t: „Lasst PGP sterben!“ PGP steht für Pretty Good Privacy, also ziemlich gute Privatsphäre. Ein Programm zum Verschlüsseln von Daten, das eigentlich Anwendern immer empfohlen wird, um ihre Mails zu schützen. Schmidt meint jetzt aber: Das Programm sei veraltet, viel zu kompliziert und allein die Existenz dieses Dinosaurieres blockiere die Entwicklung neuer innovativer Verschlüsslungstechniken. PGP sei nur etwas für Experten und deshalb auch längst nicht so sicher, wie alle behaupten.

Auf Twitter wird diese Einschätzung kontrovers diskutiert. Matthias Spielkamp von irights.info schreibt zum Beispiel:


Auch SIM-Karten sollen nicht sicher sein

Das ist die neuste Enthüllung aus den Snowden-Dokumenten. Das Investigativ-Portal „The Intercept“ berichtet, dass die NSA und der britische Geheimdienst die Verschlüsselungscodes der führenden SIM-Karten-Hersteller gestohlen haben sollen. Dadurch könnten die Agenten Handygespräche abhören und Daten absaugen. Auch die Verschlüsselung von Kredit- und EC-Karten soll geknackt worden sein.

Bild: Pearl Sea Star von prilfish auf Flickr, CC BY